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Kommunikation: Der Dialog ist das Geheimnis

Kommunikation ist die Grundlage für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Wir sprechen, reden, diskutieren, tratschen, schweigen – und im besten Fall führen wir Dialoge.

Wie oft reden wir aneinander vorbei und wie oft ärgern wir uns über Gesprächspartner, die versuchen, uns ihre Meinung aufzudrängen?
Wie oft kommen wir in Gesprächen zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis? Und woran liegt es, dass wir keinen wirklichen Dialog führen?

Wie wir uns unterhalten

Gespräche sind die Grundlage dafür, dass Gesellschaft funktioniert.
Sie reichen vom einfachen Informationsaustausch über das Kundtun von Meinungen bis hin zu Diskussionen, die sogar im Streit enden können – und dann ist es aus mit der Kommunikation.

Dann bleibt jeder in seiner Wahrheit stecken und es wird schwer, sich auf Augenhöhe zu begegnen.

Was wir sagen wollen

Drei Schatten von Personen. Jeder schaut in eine andere Richtung

Aber was wollen wir in Streitgesprächen sagen? Wir vertreten unsere Meinung, die im besten Fall aus Fakten und der Einbettung dieser Fakten in unseren persönlichen Kontext besteht. Wir bewerten sie also.

Wie wir eine Situation bewerten, hängt jedoch von individuellen Faktoren ab, beispielsweise welchen Wissensstand wir besitzen, wie und wo wir sozialisiert wurden, welche Erfahrungen wir in unserem Leben bisher gemacht haben. Die Meinung jedes Menschen ist also immer die Sicht aus seiner eigenen Perspektive.

Kommunikation ist das, was ankommt

Nahaufnahme eines Senderwahlknopfes eines alten Radios

So passiert es eben immer wieder, dass das, was wir sagen (und meinen) ganz anders beim Gegenüber ankommt. Wir werden nicht verstanden oder verstehen falsch. Denn Sender und Empfänger sind auf verschiedenen (Lebens-)Wegen zu ihrem jetzigen Standpunkt gelangt. Je weniger Gemeinsamkeiten in diesem Weg zu finden sind, umso schwieriger wird die Kommunikation.

Vera F. Birkenbihl hat dieses Phänomen sehr anschaulich in ihrem Inselmodell beschrieben. Demnach leben wir alle in unserer Insel, die sich aus unserer Entwicklung, unserem Wissen, unserer Umgebung, unserer Persönlichkeit, unseren Interessen usw. zusammensetzt. Je mehr Gemeinsamkeiten es gibt, desto einfacher ist es für uns zu kommunizieren.

Daher ist es ein guter Rat, in der Art wie wir miteinander sprechen, darauf zu achten, dass wir eine gemeinsame Basis haben bzw. schaffen.

Dialog statt Diskussion

Im „normalen“ Leben denkt man über solche Hintergründe ja meist gar nicht nach. Da ist es einfach so, dass uns bestimmte Aussagen triggern, wir uns aufregen und sich oft die Fronten verhärten. Ich hatte das Glück, in meiner Potenzialmanagement-Ausbildung bei der wobkom Einblicke in die Welt der verschiedenen Kommunikaitonsmöglichkeiten zu erhalten. Und so beschäftigte ich mich mit dem dialogischen Ansatz.

Jeder hat seine eigene Wahrheit.

Ein gefaltetes Herz aus orange-gelb-gemusterten Designpapier auf grünem Untergrund

Der Dialog ist eine Form der Kommunikation, bei der auf Wertschätzung und Respekt der beteiligten Personen besonders geachtet wird. Es geht dabei nicht darum, in einer Diskussion ein Wortgefecht zu gewinnen, die eigene Ansicht als einzig richtig darzustellen und das Gegenüber davon zu überzeugen. Sondern darum Einsicht in die Gedankenwelt der Beteiligten zu erlangen und zu verstehen wie eine Meinung, ein Urteil oder eine Ansicht entstanden ist und wieso sie für diesen Menschen die Wahrheit ist – auch wenn sie das für dich selbst nicht ist.

So ist es möglich, Verständnis und Konsens zu erzeugen, ohne dass eine beteiligte Person durch verletzendes Verhalten gekränkt wird. 

10 Dialogregeln

Der Rücken des Buches "Die Kunst des Dialoges"

Um wohlwollend auf sein Gegenüber eingehen zu können, ist die Beachtung dieser zehn Dialogregeln sehr hilfreich. Im Buch „Die Kunst des Dialoges“ werden diese Regeln sehr bildhaft und mit Beispielen belegt, herausgearbeitet.

  1. Nimm die Haltung des Lernenden ein.
    Sei neugierig und immer offen für neues Wissen.
  2. Zeige radikalen Respekt.
    Jeder darf seine Meinung haben, auch wenn sie nicht deiner Meinung entspricht. Akzeptiere, dass die Meinung eines jeden darauf beruht, was er in seinem Leben gelernt und erlebt hat. Wertschätze dein Gegenüber, indem du es ausreden lässt.
  3. Öffne dich für die Ansichten und Überzeugungen der Anderen.
  4. Sprich von Herzen.
  5. Nimm dir vor, zuhören und verstehen zu wollen.
  6. Verlangsame den Dialog.
    Jeder darf sprechen. Jeder soll zum Thema gehört werden. Um dem Gesagten Zeit zu geben, bei jedem Dialogpartner anzukommen, kannst du beispielsweise mit einem Redestein arbeiten, dass heißt es gibt einen Gegenstand, den derjenige, der gerade spricht in Händen hält und an den nächsten Sprecher weitergibt, wenn er gesagt hat, was ihm wichtig war zu sagen. So gibt es nach jeder Rede eine kurze Pause.
  7. Halte deine Annahmen und Bewertungen in der Schwebe. Das nennt man Suspendieren.
    Wir neigen dazu, auf Gesagtes schnell zu reagieren, vor allem, wenn es etwas ist, dass wir anders sehen. Beim Dialog soll darauf geachtet werden, direkte Reaktionen zu vermeiden. Behalte deine Reaktion im Kopf oder notiere sie dir und äußere sie, wenn der Redestein wieder bei dir ist.
  8. Plädiere produktiv und lege deinen Denkprozess offen.
  9. Nimm eine erkundende Haltung ein.
    Höre in dich hinein. Höre genau zu, was andere sagen. Frage nach, wenn dir etwas unklar ist.
  10. Beobachte die Beobachterin der Beobachterin.
    Ändere die Perspektive. Gehe gedanklich zwei Schritte zurück und beobachte die Reaktion eines fiktiven Beobachters auf das Gesagte.

Quelle

Die Kunst des Dialoges – Kreative Kommunikation entdecken: Erfahrungen, Anwendungen, Übungen
Gebundene Ausgabe: 467 Seiten
Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1., (1. August 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3608941185
ISBN-13: 978-3608941180
Größe und/oder Gewicht: 19,7 x 4 x 23,5 cm

Wie wir zueinander finden

Schatten von vier Personen, die sich an den Händen halten und jubeln

Die meisten Menschen gehen wahrscheinlich eine Abwehrhandlung, wenn sie das Wort Dialog-„Regeln“ lesen. Ich habe mit manchen der Punkte anfangs gar nichts anfangen können. Das ist aber nicht dramatisch. Es geht darum, sich ein bisschen darauf einzulassen und sich selbst und das Gegenüber zu beobachten und sich mit Empathie zu begegnen.

Für mich ist die wichtigste Regel der „radikale Respekt“. Denn wenn ich dem anderen seine Meinung zugestehe und ich die „Zweinigung“, wie sie sie Vera F. Birkenbihl im Video erklärt, als Option sehe, kann ich auch in ernsten Meinungsverschiedenheiten gelassen bleiben und den Dialog auf einer sachlichen Ebene führen.

Hier findest du einen weiterführenden Blogbeitrag zur Gelassenheit.

Von Claudia Jahn

Grafikerin mit Liebe zum Text – zu jeder krativen Schandtat bereit.

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